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Mein unendlicher Spaß

29. Juli 2010

Als ich Weihnachten 2009 ganz altmodisch meine Geschenke unter erwartungsvollen Augen auspackte, hielt ich ein Buch in der Hand, das im folgenden Jahr meine Nemesis werden sollte. Es handelte sich um „Unendlicher Spass“ (englisch: Infinite Jest) von David Foster Wallace. Ein 1500 Seiten-Monstrum mit schlicht weißem Cover, so unhandlich, dass man beim Lesen Muskeln damit aufbauen könnte. Ich brauchte sieben Monate, bis ich es gelesen hatte und habe zwischendrin mehrmals aufgegeben, es verflucht und gleichzeitig bewundert. Obwohl man über dieses Buch selbst Bände schreiben könnte, beschränke ich mich nur auf einige Wörter dazu.

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„Der Drang zur himmlischen Stadt bleibt erhalten. Man muss ihn achten, er kann sogar florieren – im Cyberspace.“[1]

25. Juli 2010

Jesus mit Apple-T-Shirt, Martini, Sonnenbrille, Zigarette

Heute Nachmittag wurde ich von einer Freundin angerufen und mit den Worten begrüßt: „Mir ist so langweilig! Meine Mitbewohnerin hat sich mein Netbook ausgeliehen und jetzt hab ich schon die ganze Zeit kein Internet mehr und absolut nichts zu tun.“

Ihre Aussage konnte ich nachvollziehen, was mich erschrak. Ich stellte mir also die Frage: Gebrauchen wir das Internet als neue Sinnstiftung in unserem täglichen Leben?

Laut einem Artikel im Kultur Spiegel ist das so. Dort wird behauptet, das Internet sei die neue Religion, denn es könnte „zum einzigen und vollständigen Werkzeug für das Verständnis des Lebens und der Realität werden“. Wie auch bereits Vietta in seinem Artikel Ende der Geschichte? Die Sziento – Technologie als Telos der europäischen Logoskodierung behauptet hat, schwebt die Frage im Raum, ob der Cyberspace als eine Verbindung von Logos- und Pistiskodierung gesehen werden kann.

Die Pistiskodierung stellt den Glauben in den Mittelpunkt. Es geht nicht darum rational einen Sachverhalt zu erschließen, wie beim Logos, sondern seine Ursache schlichtweg zu wissen – die Wahrheit wird dem Betrachter offenbart. Ein weiterer Aspekt ist der Glaube an Wunderbares, nicht zu Erklärendes, als auch die Ausrichtung des Lebens auf das Jenseits.2

Doch inwieweit kann man auf die Idee kommen, das Internet, ein virtueller Ort, der zum weltweiten Speichern und Abrufen von Informationen genutzt wird, damit zu vergleichen?

Dies liegt darin begründet, dass sich das Internet zu einem eigenen Kulturraum entwickelt hat.

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Ein Herz für Panda

8. Mai 2010
by

Hach, endlich mal wieder eine wundervolle Band entdeckt: Panda. Sie kommen aus Berlin und machen eine herrlich rockige, wie sie selbst sagen, an die Sixties angelehnte Musik, mit Texten ganz frei Schnauze von der Sängerin und bekannten Schauspielerin Anna Fischer. Prompt hab ich mich wiedererkannt bei den Zeilen:

Ick halt dit nich mehr in meene Wohnung aus
Sobald ick drin bin will ick gleich wieder raus
Ick jeh schon allen voll uff’n Sack
Denn ick häng nur noch woanders ab

Und fühlte mich an meine letzte Ranzwohnung erinnert. An dieser Stelle vielen Dank an alle, die mir der Zeit Obdach gewährten.

Aber zurück zum Thema. Diese Band ist einfach großartig und ich finds fast ein bisschen schade, dass ich sie erst jetzt entdeckt hab, wo sie doch gerade Stress mit ihrer Plattenfirma Universal haben. Denn: Ihre Musik sollte am besten umsonst sein, nur geht der Medienkonzern damit leider nicht konform. Aber konform oder nicht, im Internet bietet Youtube natürlich eine schöne Ersatzbefriedigung, bis etwas Neues von der Band abseits des Mainstreams entsteht.

Wer möchte kann sich auch bei Myspace weiter auf dem Laufenden halten. Am 3. Mai spielten sie in Berlin – for free!
Also gibt es nach wie vor Mittel und Wege, an diesem Gesamtkunstwerk teilzunehmen. Überzeugt euch selbst und viel Spaß.

www.myspace.com/allespanda

Ein Streifzug durch die politische Psychologie: Teil 2

9. April 2010

II. Kenne deinen Feind

Wie ich im ersten Teil schrieb befasst sich die politische Psychologie vor allem mit den negativen Formen politischen Handelns, also mit Krieg, Rassismus und Nationalismus. Man versucht, allgemein gültige Charaktereigenschaften zu erforschen, auf die sich diese allzu menschlichen Phänomene zurück führen lassen. Den Anfang machte in grauer Vorzeit kein Geringerer als Theodor W. Adorno.

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Politische Psychologie – ein Streifzug in drei Teilen

7. April 2010

I. Die Selbstanalyse

Ich gestehe mir ungern ein, dass mir die besten Ideen beim Zeitungslesen kommen. Einem Artikel in meiner Lieblingszeitung (ja, so etwas gibt es in meiner Generation noch), der Frankfurter Rundschau, verdanke ich mein Interesse an einem vernachlässigten Teilgebiet meines Studienfachs, der politischen Psychologie. Selbst nur ein Teilgebiet der Sozialpsychologie, kann man nicht gerade behaupten, dass sie eine prominente Forschungsrichtung wäre. Warum das so ist, weiß ich nicht. Vielleicht, weil die Schnittmengen mit der Soziologie zu groß sind oder weil die Psychologie als Wissenschaft viel zu rational ist für die meist vollkommen irrationalen Prozesse, die in der Politik zu „Erfolgen“ führen. Dabei sind die grundsätzlichen Fragestellungen der politischen Psychologie so wichtig. Wie entsteht Fremdenhass und Nationalismus? Liegen Kriege in der Natur des Menschen? Wie entsteht Zivilcourage? Allgemeiner formuliert also: wie wirkt sich das menschliche Erleben und Verhalten auf den Menschen als politisches Wesen aus? Am besten ist, man fängt bei sich selbst an.

Um ein politisches Wesen zu werden braucht es bei jedem Menschen einen Erweckungsprozess. Man kann ihn mit einem Küken vergleichen, das aus dem Ei schlüpft. Aus der Perspektive des Kükens ist die Geburt vielleicht gar nicht so angenehm. Alle möglichen Umwelteinflüsse wirken, es ist kalt und man hat Hunger. Aber zurück in seine wärmende Schale kann es nicht mehr. Wenn man als Mensch beginnt, sich für Politik zu interessieren, dann ist es ähnlich. Ich beobachte bei mir selbst oft, dass ich mir manchmal wünsche wieder uninteressiert zu sein, denn in einer schlechten Welt ist, um es mit Nietzsche zu sagen, Unwissenheit das Glück. Seit ich also mit 15 oder 16 Jahren anfing Michael Moore zu lesen bin ich nicht unbedingt glücklicher geworden. In geballter Form (ich habe drei Bücher von ihm nacheinander gelesen) wurde ich darüber in Kenntnis gesetzt, dass sich die USA fest in der Hand der Lobbyisten befindet und eigene Nachforschungen ergaben, dass es in Europa nicht anders ist.

Ich begann, wie man so schön sagt, die herrschenden Verhältnisse als Bedrückung zu empfinden und wurde Radikal. Das bedeutet nicht, dass ich auf die Straße ging und randalierte, denn das liegt nicht in meiner Natur. Was war dran an den Märchen meiner Erzieher, dass wir in einer Demokratie leben? Spätestens seit Rot-Grün wissen wir, dass die Wahl der Partei nicht viel ändert. Aus diesem Ohnmachtsempfinden ist wohl meine radikaldemokratische Grundeinstellung erwachsen. Diese wiederum befindet sich momentan in einem Kampf mit der Vorstellung von einer Pöbelherrschaft, wie man sie jüngst in der Schweiz beobachten konnte. Es ist nämlich so, dass sowohl rechte als auch linke Kräfte für Volksabstimmungen sein können. Unterscheiden kann man in diesem Fall dadurch, dass Recht auf das bereits vorhandene „gesunde Volksempfinden“ pochen. Diese Vorstellung ist gerade in modernen Zeiten absolut unsinnig und auch gefährlich. Auch bei Volksabstimmungen gibt es keinen parteifreien Raum. Doch sollte man nur gebildete Menschen abstimmen lassen? Natürlich nicht. Eine Art „Wahlführerschein“ mit Prüfungen auf politische Bildung und Kompetenz wäre denkbar, doch das würde die Zahl der Nichtwähler noch weiter vergrößern und gleichzeitig implizieren, dass man politische Bildung in die Wiege gelegt bekommt. Bildung muss her, und zwar en masse. Das Geld, das für das „Bankenrettungspaket“ ausgegeben wurde, sollte verglichen mit Bildungsausgaben portokassenartig wirken. Ein ungebildetes Land, das auf sämtlichen Goldvorräten der Welt sitzt, ist immer noch bettelarm. Ich weiß, welches Glück ich habe mit meiner Herkunft, beginnend mit dem Land in dem ich lebe, mit dem relativen Reichtum in dem ich aufgewachsen bin und damit, dass ich Zeit habe, an einem Freitagnachmittag lange Texte schreiben zu können. Daher habe ich jetzt einen tollen Begriff für meine Einstellung gefunden: den bildungsbürgerlichen Linken. In seiner radikalsten Ausprägung ist er der Ansicht, dass selbst der Hilfsarbeiter in der Konservenfabrik gebildet genug zu sein, um am öffentlichen Leben teilzunehmen und seine Interessen angemessen vertreten zu können. Gerade letzteres ist in der liberalen Demokratie unerwünscht, da es in diesem Konzept Gesellschaftsschichten gibt, die unterdrückt und ausgebeutet werden. Ganze „Reformpakete“ unserer letzten Regierungen bauen darauf auf, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen weder Zeit, noch Kraft, noch Mittel und Fähigkeiten haben, sich quer zu stellen. In den USA sehen wir was passiert, wenn dieses Modell auf die Spitze getrieben wird: wenn jeder arbeitende Bürger bis zum Hals verschuldet ist, dann hat er alles zu schlucken, um nicht am Ende noch auf der Straße zu landen.

Hübsch hässlich habt ihr’s hier!

29. März 2010
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Der Frühling ist da, die Menschen trauen sich wieder aus ihren Behausungen und tummeln sich in den Fußgängerzonen dieser Welt. Das Wetter ist trübe doch die Farbflecken in dieser grauen Stadt sind einmalig und lassen das Herz höher schlagen.

Bei Regen stehe ich als graue, durch akute Rhinitis unangenehm auffallende Gestalt, an meiner Haltestelle und werde Zeuge Machteborjereleganz at it’s best. Eine Frau in einem knall roten Ed Hardy Jogginganzug läuft völlig ohne Schamgefühl am helligten Tage über den Alten Markt. Lautlich unterlegt ist dieses visuelle Ereignis von einem schimpfenden Oper mit starker Alkoholfahne, so dass alle Sinne an diesem Happening teilhaben können:

“Scheisssse. Geh doch ßurück nach Jamaika hin. Kippe is schon wia aus.”

Ein warmes Frühlingserwachen.

Überlegen uns attracktiver zu gestalten

10. März 2010
by

Da wir nun ja eh schon über Tims Unterwäsche diskutieren, haben wir uns was ganz verrücktes ausgedacht. Sex sells und man darf gespannt sein, Timmi lässt sich in Hello Kitty ablichten und ich trage diesen formschönen Herrenschlüpfer mit Eingrifftäschchen – der Frühling wird spitze!

Gedanken über Geschlechtsrollen und -verkehr

7. März 2010
http://www.flickr.com/photos/jimbo3dc/3111690449/

Gendern per Windstoß

(Bild von Jimbo3DC, hängt vor einem Umkleideraum in den USA)

Wer Sex hat, kann sich glücklich schätzen. Von dieser simplen Formel ausgehend behaupte ich mal, dass heutzutage so viele Menschen glücklich sind, wie noch nie. Man kann heute einige Rituale, die früher nötig waren, um in den Genuss zu kommen, in der Regel einfach überspringen. Natürlich gibt es auch weiterhin ultrakonservative Familien, die ihre Töchter unter Verschluss halten, bis sich der in Frage kommende Jüngling bei den Eltern bewährt haben. Bewährt heißt nach kleinbürgerlicher Vorstellung all das, was früher in dieser Fernsehserie vorkam, in der irgendwelche Testosteronbolzen mehr oder minder peinliche Dinge tun mussten, um ein Wochenende mit der Tochter des Hauses in irgendeinem All Inclusive-Hotel im Süden zu bekommen. Das beinhaltete unter anderem „Auto reparieren mit Papa“, Fußball spielen mit dem kleinen Bruder oder intensive, geradezu eindringliche Gespräche mit der Mutter. Die komplette Sendung war ein neokonservativer Rollback in Richtung „einer Dame den Hof machen“. Wahrscheinlich wurde die Sendung abgesetzt, weil das Publikum solche Situationen nicht selbst kennt, und wenn doch dann nur aus Geschichten über edle Ritter und hübsche Burgfräulein. Doch wie gesagt, heute muss das niemand mehr machen. Man verfährt eher umgekehrt: erst das Vergnügen, dann der Familienkram. Warum kam das so?

Natürlich, wer sich ein bisschen auskennt, dem fällt die sexuelle Revolution ein. Das stimmt auch. In diversen Kommunen – dort hatte man alle Zeit der Welt zum diskutieren – las man sich gegenseitig die Pamphlete von Wilhelm Reich und Herbert Marcuse vor und unterstellte, dass die bürgerliche Sexualmoral konzipiert worden sei, um das kapitalistische System zu stützen. Reich und Marcuse waren sicherlich sehr kluge Männer, doch sie hatten sowas von unrecht. Das kapitalistische System wird überhaupt nicht „gestützt“. Eher ist es zum Teil wie eine Made, die sich von toten Überresten ernährt. Stirbt ein Teil des Systems, erzeugt das neue Märkte. Und Märkte sind moralisch gleichgültig und vor allem schneller als der Mensch, darum reagierten die Medien prompt mit übersexualisierten Inhalten, denn das wollten die Leute. Die Promiskuität selbst blieb weitgehend in den Kommunen. Die sexuelle Revolution ist eine Farce geworden, ein Kampfbegriff. Das heißt nicht, dass sich die Sexualmoral nicht gewandelt hätte – im Gegenteil! Man muss sich ja nur die Statistiken über schwangere Jugendliche ansehen. Nur gab es eben eine „Revolution von oben“, also von der Seite der Medien. In der Bravo durfte die damalige Zielgruppe nackte Minderjährige bestaunen. Sex war nichts mehr für „Erwachsene“, die ersten Erfahrungen fanden früher statt. Das Durchschnittsalter fürs erste Mal liegt heute ungefähr bei 15. Da denkt niemand ernsthaft an Hochzeit und Kinder kriegen. Darum wird das offizielle Brimborium mit „den Eltern vorstellen“ eher hintenan gestellt. Und das war die Revolution.

Dann kam Charlotte Roche. Ich muss zugeben, dass sie es mir (ich war so 16, 17) auch angetan hatte. Ihre total unkonventionelle Art, Indiebands zu interviewen, ihre Vorstellung von Protest und so weiter, all das erschien mir als spätpubertärem Wesen rebellisch. Bei Harald Schmidt trat sie im BildBlog-Werbekleid und mit Zahnlücke auf. Auch das war superrebellisch. Dass sie ihre revolutionäre Art aber meist über den Sender VIVA verbreitete, hätte sie mir als genau die gleiche kaltblütige Karrieristen erscheinen lassen müssen, wie eine beliebige Talkshowmoderatorin. Doch dann schrieb sie das Buch. In der Zeit, als die Welle, die es schlug, ihren Höhepunkt erreichte, lernte ich eine sehr liebenswerte Person kennen, die ziemlich viel auf die Aussage dieses Buchs gibt. Sie fasste mir den neuen Feminismus, den die Fernsehrebellin begründet hatte, folgendermaßen zusammen: Feminismus bedeutet vor allem, die Augen offen zu halten und jede noch so subtile Diskriminierung im Keim zu ersticken. Nach ihr ist es schon eine Diskriminierung, wenn man einen wie auch immer gearteten Unterschied zwischen den Geschlechtern feststellt. Eine Anekdote von ihr erzählt von der Bemerkung im VIVA-Studio, dass sie viel „Frauenpower“ habe. Daraufhin hat sie wütend das Studio verlassen, weil sie „so nicht arbeiten“ konnte. Wenn ich als Mann die Augen ständig für Diskriminierungen aufhalten würde, wäre ich sehr beschäftigt. Schon mehrfach hätte ich vor Gericht gehen müssen. Mir wurde mal eine Wohnung nicht vermietet, weil ich männlich bin – und damit unsauber und unhygienisch. Im Gegensatz dazu befindet sich Charlotte Roche mit ihrer „Hygienekritik“ auf dem Weg dahin, dass die besagte Wohnung auch Frauen bald nicht mehr vermietet wird und daher leer stehen müsste. Wo ist also nun mein Problem mit ihrem Buch? Ganz einfach. Wenn ich mich für Gleichberechtigung (egal zwischen wem genau) einsetzen würde, dann wären mir natürlich Gesetze wichtig, die für alle gelten und nicht Gesetze, die für niemanden gelten. In „Feuchtgebiete“ ist das komplette Buch über die Rede von irgendwelchen absolut widerwärtigen Dingen, die „Frauen ja wohl auch mal machen dürfen“ sollen. Wie wäre es statt dessen denn, wenn niemand diese Dinge tut? Abgesehen davon, dass ich glaube, dass auch bei Männern auf gehobene Hygienestandards wert gelegt werden sollte. Schweißgeruch ist nicht männlich, sondern menschlich, denn der Schweiß der Frau riecht auch. Aber – und das ist ganz wichtig: anders!

Da ich eher den Differenzfeminismus bevorzuge, der sich auf sozial konstruierte Unterschiede konzentriert, komme ich nicht damit zurecht, wenn gewisse feministische Kämpferinnen meinen, sich in das Sexleben der Menschen einmischen zu müssen. Damit würde sich der Kreis von der neugierigen, kleinbürgerlichen Sexualmoral zur präskriptiven Natur des sex-negativen Feminismus schließen. Die von Alice Schwarzer angeleierte PorNO-Kampagne ist eins der besten Beispiele. Da hört man dann „Sadomasochismus ist Kolaboration!“, als ob der Mann ein Feind wäre. Eine andere Frau, deren Name mir nicht einfällt, meinte tatsächlich, Menschen, die SM praktizieren, das Recht auf Sexualität abzusprechen. Und wo ist nun der Unterschied zur bürgerlichen Sexualmoral? Er ist nur noch minimal. Statt auf Zucht und Ordnung zu pochen, schiebt man frau einfach eine neue Ideologiekassette in den Rekorder. Dabei sollte der Feminismus ursprünglich befreien.

Wir notieren: Frauen und Männer sind biologisch unterschiedlich. Man kann das soziale Geschlecht einer Person dekonstruieren. Doch wenn man das tut und sich als Frau nicht mehr wäscht und rasiert oder als Mann Schminkt und auf High Heels rumläuft, dann muss man damit rechnen, anders wahrgenommen zu werden, als eine Person, die die „Norm“ erfüllt. Denn genau wie jede Freiheit sich auch Menschen finden, die diese ausnutzen, kann Vielfalt zu Intoleranz führen. Das spricht weder gegen Freiheit noch gegen Vielfalt, aber das wird leider trotzdem nie jemand ändern können. Auch nicht Charlotte Roche.

Dekadenz kommt von innen.

7. Februar 2010
by

Ich kenne mehrere, ansonsten sehr umgängliche Menschen, die eine in der heutigen Zeit recht angesehene Angewohnheit haben. Ich möchte nicht sagen, dass diese Angewohnheit besonders selten oder nobel ist, nein – sie zeugt nicht einmal von den Eigenschaften, die bei mir persönlich angesehen sind, also Charakterfestigkeit, humanistische Bildung oder Humor. Manch einer denkt sich jetzt bestimmt: Humor ist keine Tugend. Ist er aber, oder vielmehr: sollte er sein, weil von bestimmten Menschen Verhältnisse geschaffen wurden, die ihn überlebenswichtig machen. Es ist eine objektiv ohne weiteres nachweisbare Tatsache, dass unser Land von Menschen regiert wird, die weder meine drei Tugenden aufweisen können, noch die Angewohnheit, die ich angesprochen habe – obwohl beides sich nicht ausschließen muss!

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Tausche Leben gegen Luftgitarre – oder andersrum

23. Januar 2010
by

Tang Chan via ffffound

Aus einem Gefühl tiefer als Hass und weit und breit kein Gegner außer sich selbst. Wenn einem alles, aber auch wirklich alles über den Kopf wächst, will man am liebsten untertauchen und abwarten bis es vorüber gezogen ist. Die Welt, na ja so kann man das nicht direkt sagen, also meine Welt ist gerade definitiv gegen mich. Jeden Morgen lahme Beine, die nicht aus dem Bett wollen, eine Dusche die nicht wach macht und ein Kaffe, für den man keine Zeit mehr hat. Riesen Wasserläufe zwischen Eiswänden, die den Weg zur Straßenbahn versperren. Ein Mann mit einem Rolllator hat keine andere Chance und muss durchs Wasser waten, ich finde das unglaublich gemein und bin verdammt hilfloser Beobachter zu sein. Es ist nass von unten, doch von oben droht der Tod mit einer Schneelawine und Eiszapfen, die hinunterfallen könnten. Für einen Moment überlege ich, einfach unter einem Haus stehen zu bleiben und mein Schicksal herauszufordern. Doch der öffentliche Tod durch Aufspießung würde vermutlich ein Trauma bei umstehenden Passanten auslösen, erst recht bei den Kindern, die über die Bürgersteige toben. Ich entschließe mich also dagegen und kaufe mir im nächsten Supermarkt eine Schachtel Tod auf Raten. Heute muss ich viel rauchen, um über den Tag zu kommen.
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