Zu Guttenberg – ein Abgesang.
Über die Affäre zu Guttenberg wird jeder jetzt bescheid wissen. Es kommt in Fernsehen, Radio und auf sämtlichen Nachrichtenseiten ja nichts anderes mehr. Ich treibe mich – teils zur Belustigung, teils zur prophylaktischen Bewaffnung gegen Guttenbergs Anhänger, gerne auf der Pro-Guttenberg-Facebookseite herum und konnte die Hauptargumente herausstellen. Dazu möchte ich jeweils ein paar Sätze schreiben.
„Jeder hat doch mal geschummelt! Müssen wir jetzt alle unsere Schulzeugnisse zurück geben?“
Dieses Argument ist ebenso richtig wie unpassend. Ich erkenne ja an, dass es in Deutschland auch Politikinteressierte gibt, die nie eine Uni von innen gesehen haben und daher mit akademischen Vorgängen nichts anfangen können. Eine Doktorarbeit ist aber nicht mit der Arbeit in einer Schule vergleichbar. Eine Doktorarbeit zeigt, dass man eine wissenschaftliche Ausbildung hinter sich hat und imstande ist, neue Erkenntnisse zu liefern. Denn das tun Wissenschaftler nunmal. Herr zu Guttenberg allerdings hat auf 76% seiner Doktorarbeit einfach von Arbeiten anderer Wissenschaftler gestohlen. Er hat damit nicht nur geistiges Eigentum auf unfaire weise gestohlen, sondern bewiesen, dass er als Wissenschaftler nicht geeignet ist. Dies erlaubt die Vermutung, dass es ihm beim Doktortitel nur darum ging, besser dazustehen und nicht darum, sein Fach wissenschaftlich voran zu bringen.

In der Schule hingegen geht es ums Lernen und wer bei einer Klausur abschreibt, der zeigt halt, dass er nicht genug gelernt hat, verzerrt also seine eigene Note. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass man lernunfähig ist, nur, dass man in Zukunft besser lernen sollte.
Er hat zudem nicht zugegeben, dass er kopiert hat. Zuerst hieß es, die Vorwürfe seien abstrus. Dann hieß es, es sei „versehentlich Blödsinn in die Arbeit gekommen“.
„Die Opposition ist doch nur neidisch dass sie keinen so charismatischen, kompetenten, gutaussehenden, schicken Politiker haben wie die CSU!“
Das kann schon sein. Und ich will auch gar nicht abstreiten, dass die Opposition Interesse daran hat, dass zu Guttenberg zurück tritt. Aber ganz ehrlich, wer so ein Argument bringt, der hat die Demokratie nicht verstanden. Die Opposition ist dazu da, die Regierung zu kontrollieren, zu kritisieren und auch mal aus Prinzip Kontra zu geben. Klar, das verlangsamt Entscheidungsprozesse, aber „das Schneckentempo ist nunmal das normale Tempo der Demokratie“ – das wusste schon Helmut Schmidt. Übrigens auch ein fähiger und charismatischer Politiker, der auch seine Ecken und Kanten hat. Trotz seiner überragenden Fähigkeiten wurde er übrigens nie „abgesägt“. Das ist zudem nicht das erste mal in der Geschichte Deutschlands, dass die Opposition den Rücktritt eines Ministers forderte. Und ein Parlament hat eben auch eine Filterfunktion. Es hat seine Richtigkeit, dass Charisma und gutes Aussehen Politikern wenig nutzen. Zu Guttenberg ist objektiv gesehen nicht kompetenter oder inkompetenter als Peer Steinbrück. Politiker sind keine Edelmänner, in die wir unsere Träume und Hoffnungen projizieren können, sondern in erster Linie Überbringer bestimmter Interessen. Und die Forderungen nach einer Volksabstimmung oder ähnlichem dafür, dass Guttenberg zurück kommt sind ebenso abwegig. Guttenberg hat keine Sonderrechte, nur weil ihn hier und da ansonsten unpolitische Menschen gut finden. Er kommt genau so in die Politik wie jeder Politiker. Er lässt sich in seinem Wahlkreis wählen. Da darf es für keinen Sonderrechte geben.
„Guttenberg war endlich mal ein Politiker, der etwas für unser Land getan hat, zum Beispiel: Opel-Rettung, Bundeswehrreform. Und er kümmerte sich um unsere Soldaten.“
Alles Beispiele, mit denen Guttenberg nicht viel mehr zu tun hatte als Angela Merkel. Wer ist bitte so naiv und glaubt, dass er selbst sich diese politischen Großprojekte ausgedacht hat? Beides waren relativ unpopuläre Entscheidungen. Guttenberg war zuerst gegen die Abschaffung der Wehrpflicht und für die „geordnete Insolvenz“ von Opel. Seine Meinung hat er relativ schnell geändert und das ganz bestimmt nicht aufgrund eigener Überlegungen.
Was die Soldaten angeht: nunja. Es wird sicher einige Soldaten geben, sie ihn mögen, da er das erste mal von „Krieg“ gesprochen hat,was Afghanistan angeht. Das spricht nicht unbedingt für ihn, sondern eher gegen seinen Vorgänger. Aber schauen wir uns mal an, wie er mit seinen Soldaten wirklich umgeht. Der Gorch Fock-Kapitän zum Beispiel, mit dem hat er kurzen Prozess gemacht. In einer Untersuchung konnte man aber keine dienstliche Vergehen bei ihm feststellen. Er war ein Opferlamm, das nunmal hinhalten musste, damit Guttenbergs Glanz keine Kratzer bekommt. General Schneiderhahn wurde Guttenberg auch gefährlich, denn die Bombardierung von Kunduz sollte er auf seine Kappe nehmen, wohl auch damit Guttenberg kein Zacken aus der Krone bricht. Und was ist mit den zahlreichen traumatisierten Soldaten, die wieder kommen und von Hartz IV leben müssen? Sind sie weniger heldenhaft, weil sie nicht auf dem Schlachtfeld starben? Scheinbar. Denn dieser Bericht zeigt, dass Guttenberg sich nicht sonderlich für die interessiert, die nicht mehr „unser Land am Hindukusch verteidigen“.

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